4. Symposium
"5 Jahre Juniorprofessur – Chancen und Zukunftspotentiale für die Forschung und Lehre in Deutschland" 11./12.10.2007, Bremen
Die Juniorprofessur bzw. W1-Professur hat sich laut DFG-Präsident Matthias Kleiner und Michael Thielen, Staatssekretär im Ministerium für Bildung und Forschung, als Instrument der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung etabliert. Michael Thielen appellierte an die Hochschulen, „dieses erfolgreiche Modell der Juniorprofessur zur Nachwuchsqualifizierung weiter zu etablieren“. Das deutsche Wissenschaftssystem müsse sich im internationalen Wettbewerb um exzellenten Nachwuch besser als bisher aufstellen. „Dazu gehört auch das Angebot echter Tenure Track Optionen“, sagte Thielen. DFG Präsident Kleiner warnte gleichzeitig in seiner Rede die deutschen Universitäten davor, “die Forschungsinnovation der Nachwuchswissenschaftler durch zu hohe Lehrbelastungen zu hemmen”.
Redner Symposium v.l.n.r.: DFG Präsident Matthias Kleiner, Martin Raubal (UCSB), Wendelin Stark (ETH Zürich), Walter Dörhage (Senatorische Behörde Bremen), Wilfried Müller (Rektor Uni Bremen), Petra Huhn, Michael Thielen, Hanns Seidler (TU Darmstadt), Guido Fischer, Detlef Müller-Böling (CHE), Kurosch Rezwan (gross)
Seit der Einführung der Juniorprofessur im Jahre 2002 sind heute gut 800 Juniorprofessorinnen und -professoren in Deutschland tätig, was jeder 20. Universitätsprofessorenstelle entspricht. Aktuell sind viele dieser Juniorprofessoren in der Schlussphase der sechsjährigen Bewährungszeit und bereiten sich auf den Sprung zur nächsten Professurstufe vor. Um eine Bilanz der Erfahrungen zu ziehen und gemeinsame Empfehlungen zur Juniorprofessur auszuarbeiten, veranstaltete der „Förderverein Juniorprofessur“ am 11. und 12. Oktober 2007 in Bremen das 4. Bundesweite Symposium der Juniorprofessoren/-innen zum Thema „5 Jahre Juniorprofessur – Chancen und Zukunftspotenziale für die Forschung und Lehre in Deutschland“.
DFG Präsident Matthias Kleiner im Gespräch mit Walter Dörhage
Doppelbelastung Habilitation und kaum echte Tenure Tracks im Vergleich zum internationalen Pendant “Assistenzprofessur”
Detlef Müller-Böling, Leiter des Centrums für Hochschulentwicklung, präsentierte aktuelle Fakten zur Juniorprofessur die in der diesjährigen CHE Studie erhoben wurden. Laut der Studie sind gut zwei Drittel der Juniorprofessoren zufrieden mit ihrer Situation. Mehr als die Hälfte jedoch trage sich wegen der unklaren Situation mit dem Habilitationsgedanken, was nicht im Sinne der Juniorprofessur ist. Als “geradezu widersinnig” bezeichnete Müller-Böling diesen Umstand und forderte Fachgesellschaften und Universitäten auf, dieser kontraproduktiven Doppelbelastung der Nachwuchswissenschaftler entgegenzuwirken. “Skandalös” sei es ausserdem, dass laut der CHE Studie nur etwa 8 Prozent der Juniorprofessoren mit einem echten Tenure Track ausgestattet seien.
Die Teilnehmer des Symposiums hatten Gelegenheit intensiv mit den Rednern zu diskutieren.
An der TU Darmstadt sind seit 2002 26 Juniorprofessuren eingerichtet worden. “Die Erfahrungen sind durchwegs sehr gut”, so Hanns Seidler, Kanzler der TU Darmstadt. Nur in einem Fall sei ein Juniorprofessor negativ evaluiert worden. Die Habilitation sähe er als “archaisches Element” in der deutschen Hochschullandschaft. “Vermutlich wird sich die Habilitation aber noch sehr lange halten”, so Hanns Seidler.
Michael Thielen (r.), Detlef Müller-Böling (m.) und Wendelin Stark
Tenure Track in den USA und in der Schweiz üblich
“Ohne Tenure Track kann man die Besten der Besten nicht anlocken und halten” betonte ausdrücklich in seiner Rede Wendelin Stark, Assistenzprofessor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Deshalb würde die ETH Zürich grundsätzlich nur Assistenzprofessuren mit Tenure Track einrichten. Zudem sei die in Deutschland noch immer weitverbreitete Habilitation ein auslaufendes Model in der Schweiz. Mittlerweile sei an der ETH Zürich etwa jeder fünfte Professor ein Assistenzprofessor, so Stark weiter. Martin Raubal ist Assistenzprofessor in den USA an der renommierten University of California Santa Barbara und war zuvor der 1. Juniorprofessor an der Uni Münster. Gerne wäre er damals in Deutschland geblieben, wenn seine Universität ihm eine Option zur Weiterbeschäftigung angeboten hätte. Die meisten amerikanischen Universitäten, so Raubal weiter, böten Tenure Tracks. Zudem seien die Evaluationskriterien bei den amerikanischen Universitäten im Gegensatz zu den deutschen Universitäten jeweils klar festgelegt. Die Habilitation als solche existiere im US System gar nicht.
Empfehlungen zur Juniorprofessur
Im Rahmen des Symposiums wurden im abschliessenden Podiumsgespräch Empfehlungen für Universitäten zur verbesserten Ausgestaltung der Juniorprofessur als noch effektiveres Instrument für die wissenschaftliche Nachwuchsförderung formuliert.
Podiumsgespräch v.l.n.r. Detlef Müller-Böling, Dagmar Borchers, Kurosch Rezwan, Ilse Helbrecht (Moderation), Wendelin Stark, Martin Raubal (gross)
Die wichtigsten Empfehlungen zur Juniorprofessur lauten zusammenfassend:
- Etablierung des echten Tenure Tracks – In den Hochschulentwicklungsplänen muss ein festes Stellenkontingent für Juniorprofessuren und „Tenure Track“ Stellen eingerichtet werden. Nur die längerfristige Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses stellt sicher, dass die während einer Juniorprofessur erarbeiteten innovativen Forschungsergebnisse auch nachhaltig genutzt werden können. Der Zeitraum von 3 + 3 Jahren Juniorprofessur ermöglicht zwar die Etablierung innovativer Forschung aber nicht deren nachhaltige Fortsetzung. Der wissenschaftlichen Entwicklung, deren Perspektive und der Attraktivät der unabhängigen Forschung muss mit einem Tenure Track Rechnung getragen werden. Die Evaluationskriterien müssen hierbei weiterhin den höchsten Ansprüchen genügen.
- Kein Habilitationszwang für Juniorprofessoren – Die Doppelbelastung der Juniorprofessoren durch ein ggf. zusätzliches formelles Habilitationsverfahren ist kontraproduktiv: Das (1.) Berufungsverfahren zur Juniorprofessur, (2.) die Evaluationen nach drei und (3.) sechs Jahren erfüllen signifikant höhere Qualitätskriterien und machen ein zusätzliches Habilitationsverfahren hinfällig.
- Klare Evaluationskriterien zur Qualitätssicherung – Die Kriterien für die Evaluationen müssen unter Berücksichtigung der verschiedenen Fächerkulturen von der Hochschule klar festgelegt werden, um den Kandidaten eindeutige Bewertungsmaßstäbe zur Zwischenevaluation als Orientierung zu geben. Die hochschul- und länderübergreifende Etablierung solcher Leitlinien ist die Voraussetzung für den effizienten Einsatz von Tenure Track Verfahren.
- Transparenz der rechtlichen Unabhängigkeit der Juniorprofessur – Die Aufklärung der Hochschulleitung und der Fakultät im Hinblick auf die rechtliche Unabhängigkeit der Juniorprofessoren bzw. W1-Professoren ist dringend notwendig (Gleichberechtigung zu W2/W3 Professoren): Die Unklarheit vieler Juniorprofessoren hinsichtlich ihrer rechtlichen Unabhängigkeit führt zu Reibungsverlusten in der akademischen Selbstverwaltung.
Downloads der Reden

Eröffnungsrede
Prof. Dr. K. Rezwan
Förderverein Juniorprofessur e.V.

Begrüssung
Prof. Dr. D. Borchers
Sprecherin Juniorprofessoren Bremen

Begrüssung
Dr. W. Dörhage
Abteilungsleiter Senatorin für Bildung und Wissenschaft Bremen

„Ein cleverer Weg für kluge Köpfe – die Juniorprofessur“
Staatssekretär M. Thielen
Bundesministerium für Bildung und Forschung

„Juniorprofessoren in der DFG-Antragsstellung“
Prof. Dr. M. Kleiner
DFG Präsident
„Das Bremer Modell“
Prof. Dr. W. Müller
Rektor Universität Bremen und Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz
„Juniorprofessur – Erwartetes und Unerwartetes“
Prof. Dr. Seidler
Kanzler TU Darmstadt
„Junior – der Weg zum Senior?: Erkenntnisse aus aktuellen Untersuchungen“
Prof. Dr. D. Müller-Böling
Leiter Centrum für Hochschulentwicklung (CHE)

„Ein amerikanisches Modell in Europa – das Tenure Track System der ETH Zürich“
Prof. Dr. W. Stark
Assistenzprofessor ETH Zürich

„Auf dem Weg zur Voll-Professur: Ein gewagter Sprung über den Atlantik?“
Prof. Dr. M. Raubal
Assistenzprofessor University of California, Santa Barbara
Meet & Greet
Einige Eindrücke vom Meet & Greet Event am Vorabend des Symposiums bei dem in lockerer Atmosphäre bei gutem Essen über verschiedenste Themen geplaudert werden konnte.




Presse
Pressestimmen zum Symposium sind hier zu finden.